Demut

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Diese Bild würde von Voyager 1 aus gemacht. In Entfernung von etwa 6,4 Milliarden Kilometern, der größten Distanz, aus der jemals ein Foto der Erde gemacht wurde.

"Aus diesem fernen Blickwinkel mag die Erde nicht besonders interessant wirken. Aber für uns ist es anders. Betrachten wir noch einmal diesen Punkt. Das ist hier, das ist unser Zuhause, das sind wir. Auf ihm leben alle die Du liebst, alle die Du kennst, alle von denen Du jemals gehöhrt hast. Jeder Mensch, der jemals existierte, lebte dort sein Leben. Das Zusammenspiel von Freud' und Leid, Tausende überzeugter Religionen, Ideologien und Wirtschaftssysteme, jeder Jäger und Sammler, jeder Held und Feigling, jeder Schöpfer und Zerstörer von Zivilisation, jeder König und Bauer, jedes junge Liebespaar, jede Mutter und jeder Vater, jedes erwartungsvolle Kind, jeder Erfinder und Entdecker, jeder Sittenwächter, jeder korrupte Politiker, jeder Superstar, jeder Machthaber, jeder Heilige und Sünder in der Geschichte unserer Spezies lebte dort... auf einem Staubkorn das in einem Sonnenstrahl schwebt.

Die Erde ist eine sehr kleine Bühne in einer gigantischen kosmischen Arena. Denkt an die Flüsse aus Blut, die von all den Generälen und Kaisern vergossen wurden. Auf dass sie in Ruhm und Triumph die momentanen Herrscher eines Bruchstücks eines Staubkorns würden. Denkt an die endlosen Grausamkeiten mit denen die kaum zu unterscheidenden Einwohner einer anseren Ecke heimgesucht haben. Wie häufig ihre Missverständnisse, wie sehr sie darauf erpicht sind, sich gegenseitig umzubringen, wie glühend ihr Hass.

Unser Imponiergehabe, unsere eigebildete Selbstherrlichkeit, die Wahnvorstellung, dass wir eine priviligierte Stellung im Universum einnehmen, werden in Frage gestellt durch diesen Punk fahlen Lichtes. Unser Planet ist ein einsamer Flecken in der alles umhällenden kosmische Dunkelheit. In unserer Verborgenheit, in dieser unermesslichen Weite gibt es kein Hinweis darauf, dass von irgenwoher Hilfe kommen wird, um uns vor uns selbst zu retten. Die Erde ist bis jetzt die einzige bekannte Welt, die Leben herbergt. Es gibt keinen anderen Ort, zumindest in naher Zukunft, wohin unsere Spezies auswanderen könnte. Besuchen? Ja. Siedeln? Noch nicht.

Ob es Dir gefällt oder nicht, für den Augenblick ist die Erde unser einziger Lebensraum.

Man sagt, dass Astronomie Bescheidenheit lehrt und eine charakterbildende Erfahrung ist. Und es gibt vielleicht keinen besseren Beweis für die Torheit der Menschlichen Einbildung als dieses ferne Bild unserer winzigen Welt. Es unterstreicht unsere Verantwortung freundlicher mit einander um zu gehen und dieses Staubkorn im Universum zu bewahren und zu wertschätzen ... die einzigen Heimat, die wir je gekannt haben. "

Carl Sagan

Die Welt von heute

„Das habe ich getan“ sagt mein Gedächtnis.

Das kann ich nicht getan haben — sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich.

Endlich — gibt das Gedächtnis nach.

 

Friedrich Nietzsche

Stumpfsinn der Gesellschaft

Die Menschheit, so scheint es, strengt sich nur so lange an, als sie stumpfsinnige Zeugnisse zu erwarten hat, mit welchen sie in der Öffentlichkeit auftrumpfen kann, hat sie genug solcher stumpfsinniger Zeugnisse in der Hand, läßt sie sich gehen. Sie lebt zum Großteil nur, um Zeugnisse und Titel zu erreichen, aus keinem anderen Grund und hat sie die ihrer Meinung nach ausreichende Zahl von Zeugnissen und Titeln erreicht, läßt sie sich in das weiche Bett dieser Zeugnisse und Titel fallen. 

So können wir ohne weiteres sagen, daß in der Menschheit nicht die Menschen unter sich verkehren, sondern nur die Zeugnisse und Titel, die Menschen sind in der Menschheit, grob gesprochen, gleichgültig, wichtig sind nur die Titel und Zeugnisse. Nicht Herrn Huber treffen sie im Kaffeehaus, sondern den Doktortitel Huber, nicht mit dem Herrn Maier gehen sie essen, sondern mit dem Diplomingenieur desselben Namens. Erst dann, scheint es, haben sie ihr Ziel erreicht, wenn sie nicht mehr der Mensch, sondern der Diplomingenieur sind, wenn sie nicht mehr, wie sie glauben, *nur* die Frau Müller, sondern die Frau Gerichtsrat sind.

Diese Zeugnis- und Titelsucht ist zwar in ganz Europa verbreitet, aber sie hat zweifellos in Deutschland und vor allem in Österreich einen Grad der Ungeheuerlichkeit und Groteske erreicht, der niederschmetternd ist. 

(Thomas Bernhard 1931-1989, Auslöschung)

Auch nach Zeit...

Liebe vergeht nicht, 

Sie bleibt,

Sie ist. 

 

Das Herz lässt sich nicht rational Steuern,

es fühlt und spürt,

und das ist gut so.

 

Die Zeit führt die Wahrheit,

und offenbart in Weisheit was dein Herz will. 

Vertraue, den es ist gut so.

Du Herz der Ferne

Der graue Tag
Legt seine Wolken an meine Brust,
Mein Herz steht leer.
Mein Herz ist dunkel und wolkenschwer,
Ich habe so lange nicht mehr geküsst,
Ich küsse so gerne.
Lippen und Seele warten auf dich,
Du Herz der Ferne.

 Max Dauthendey